In geheimer Mission unterwegs

Ich melde mich aus dem geheimen Ermittlungsbüro im Erdgeschoss zurück: Der Raum 007 hat seinen ganz speziellen Charme. Dort klickt die Agentin die hineinflattertenden E-Mails im 15-Minuten-Takt an, recherchiert exklusive Geschichten, telefoniert ab und an mit Potsdam und lauscht den lieblichen Klängen des Radios – natürlich nur um auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Das Mitsingen ist aber auch bei geheimen Missionen erlaubt. So viel darf ich verraten …

Ich bin nun um eine Woche dpa-Erfahrung reicher und habe einen groben Einblick in das Tagesgeschäft bekommen. Doch um wirklich schnell, routiniert und dem Standard entsprechend zu texten, bedarf es womöglich ein bisschen mehr Zeit. Am Montag übergebe ich wieder meine Aufträge an den eigentlichen Agenten. Meine Mission wird dann beendet sein.

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Der freche Vogel fängt den Wurm – Anna sagt tschüß

23. März 2010: Ich bin gar nicht aufgeregt. Dabei kämpfe ich mit einigen Bewerbern um ein Volo bei der RUNDSCHAU. Aufgabe: ”Schreiben Sie einen Artikel mit dem Thema ‘Cottbus nach dem Winter’.” 

Herr Albert, Frau Michalk und Herr Marx taxieren mich mit Blicken. “Der Albert ist streng”, haben mich Bekannte vorgewarnt. Bis jetzt läuft alles harmonisch. Die Jury will wissen, wieso ich den Aufmacher “Verschlüsselte Botschaften auf Ostereiern” geschrieben habe?! Schließlich ist nach dem Winter nicht kurz vor Ostern. Die Lausitzer haben wahrscheinlich schon 100 Artikel über sorbische Ostereier gelesen. Und mein Vergleich mit Code-Sprachen von James Bond ist auch etwas gewagt.

Macht nichts, vielleicht punkte ich beim Wissenstest. Auf Karteikarten habe ich Lausitz-Fakten notiert. “Lausitzer Rundschau, Spottnamen: ‘Die Lausige’ und ‘Lügen-Rudi’”, steht da. Damit kriege ich den Job, denke ich und lächle tapfer in die Runde.

Hat geklappt. Was soll ich sagen?

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Vorurteile über Bord werfen

Wo anfangen bei einem Wochenende, das vor ungeahnten Eindrücken nur so strotzt? Bei medienethischen Lerninhalten? Bei Hardrock singenden Reportern? Oder am besten doch bei den hartnäckigen Klischees über den Osten? Denn spätestens bei einer Kahntour im ruhigen Fahrwasser der Spreewaldfließe mussten viele der norddeutschen Besucher diese über Bord werfen. Dass die in „Randpolen“  gelegene Lausitz nicht nur aus Plattenbauten und Braunkohlekraftwerken besteht, war schließlich die Haupterkenntnis der knapp 40 Studenten und Dozenten von der Fachhochschule Kiel.

Drei Tage konnten sich die angehenden Journalisten Weiterlesen

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Ruhe vor dem Sturm

Spreewald Idylle in Lübben

Idyllischer Spreewald mit dem Klassiker: Holzkähne

So ist der Spreewald bekannt: Vor allem ältere Gäste im Best-Ager-Alter genießen Ruhe und Stille im Natur-paradies. In den nächsten Tagen ist es mit der Ruhe sowieso vorbei: Tausende Frischluftsport-Fanatiker werden sich am Spreewaldmarathon  beteiligen. Auch wir Volos freuen uns auf das Wochenende und auf ganz besondere Gäste in der Lausitz ……

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Tod dem Nachrichtentrichter

Die klassische Journalistenausbildung setzt insbesondere auf das Genre Nachricht. Diese soll sich wie ein Trichter aufbauen: Die neue Info im ersten Satz, dann die Quelle,  die Bedeutung nimmt mit jedem Satz ab. Das funktioniert wie ein Trichter, bei dem der Redakteur im Zweifel von hinten nach vorne wegkürzen kann.

Heute aber eine kleine Revolution: Der journalistische Nachrichtendienst Newsroom schreibt: “Beiträge, die direkt mit dem Wichtigsten beginnen, sind für Leser Rausschmeißer.” Und: “Der altbewährte Nachrichtentrichter funktioniert im Print nur noch bei Meldungen bis zu 15 Zeilen.”

Das soll die Readerscan-Studie “7 typische Rezeptionsfallen von Agenturartikeln” herausgefunden haben. Gerade weil Beiträge von Agenturen inzwischen einen Anteil von bis zu 80 Prozent auf überregionalen Seiten ausmachten (siehe LR), sei die neue Erkenntnis von großer Bedeutung. Medienforscher Carlo Imboden sagt: “Bei längeren Stücken sollte die Pointe bis zum Schluss aufbewahrt werden. Zeitungen müssen den Leser abholen, nicht überfordern.”

Master-Studis, was sagen eure Dozenten dazu?

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Stations-Hopping im Haupthaus

Anfang des Monats bin ich in den Verlagszug eingestiegen. Fast jeden Tag mache ich Halt in einer anderen Station. In die Abteilungen Honorar, Controlling, Personal, Einkauf, Produktionsmanagement sowie Blattplanung habe ich bereits einen super Einblick erhalten.

Nun weiß ich nicht nur, wer sich hinter den einzelnen Türen in den jeweiligen Etagen im Haupthaus verbirgt, sondern auch wie die Strukturen im Unternehmen im Detail beschaffen sind. Viele Rädchen müssen täglich ineinander greifen, damit alles reibungslos und rund läuft.                                              Wieviel Zeitungsdruckpapier, schwarze Farbe und Druckpaletten beispielsweise pro Jahr  benötigt werden, erfuhr ich bereits in der Station Einkauf und Service. Wie die RUNDSCHAU aber gedruckt wird, das erfahre ich erst morgen in meiner sechsten Station.

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Symbolbilder (5)

Herzlich willkommen zur beliebten Symbolbilder-Rubrik. Es heißt ja zuweilen, dass neben Redakteuren auch der Fehlerteufel bei Zeitungen eine Festanstellung hat. Interpunktion, Grammatik, Syntax, Rechtschreibung, Plausibilität – es gibt so viele Dinge, die falsch oder nicht korrekt sein können. Stress ist ein begünstigender Faktor. Das abgeschaffte Lektorat und eine mangelhafte automatische Rechtschreibkontrolle auch. Ein ermüdender Kampf. Aber, es gibt auch andere Berufsgruppen, die unter Fehlern leiden. Schild-Drucker zum Beispiel. Stress, kein Lektorat, schlechte Rechtschreibprogramme. Die Probleme ähneln sich doch stark. Nur Lesertelefone, Online-first-Schilder und Crossmedia-Hinweise gibt es nicht. Auch beschränken sich die meisten Schild-Macher doch auf einen eher nachrichtlichen Stil. Kurz, knackig und auf den Punkt formuliert. Schon aus diesem Grund könnten viele Redakteure nicht als Schild-Macher arbeiten. Textlängen überziehen? Schwierig. Auf den Punkt kommen? Ebenso. Wie dem auch sei. Was für den Blattmacher achtseitige Lokalblätter, Dutzende Texte und Tausende Zeichen, sind für den Schild-Macher viele, viele – nun ja – Schilder. All die Hinweise, Formen und Bedeutungen. Da kann schon mal ein Fehler durchrutschen. Denn auch bei Schild-Redaktionen arbeiten Fehlerteufel. Manche sogar Vollzeit. So ein Saftladen!

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Ostereier auf sorbisch

In dieser Woche kam das Thema Ostereier in der Redaktion auf. Ich war nämlich gestern und heute in Lübbens Innenstadt unterwegs um Passanten nach ihren Ostertraditionen zu befragen. Die momentane Kälte war auch auf der Straße zu spüren. Mufflige Passanten, die alle keine Lust, Zeit oder Termine hatten und überhaupt Umfragen für vollkommen überflüssig halten. Nach mehreren Runden um den Marktplatz hatte ich dann aber doch genug Stimmen zusammen, aber keinen gefunden, der traditionell Ostereier nach sorbischer Art bemalt. Aber zum Glück ist Lübben ja nicht allzu groß und nach einem Telefonat hatte ich meine Stimme, die die Umfrage komplettiert. Und ich weiß nun einiges über sorbische Ostertraditionen. Traditionell, traditionell werden am Karfreitag die Eier bemalt (Die ordentliche Hausfrau geht nämlich nicht arbeiten, sondern erledigt den vorösterlichen Hausputz am Gründonnerstag ;-) ) Die verschiedenen Verzierungen und Muster auf dem sorbisch bemalten Osterei haben alle eine bestimmte Bedeutung. Die Blumen stehen zum Beispiel für Wachstum und werden gern auf Eier für Kinder gemalt. Bestimmte Dreiecke stehen für Wolfszähne und sollen für Sicherheit sorgen. All die guten Wünsche, die auf das Ei kommen gehen nämlich in Erfüllung, wenn der Beschenkte das Ei verzehrt. Na dann: fröhliche Eiersuche und ein schönes Osterfest!

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Bloody Mary

Ich begann den Tag mit Wasser. Mit viel Wasser. Irgendwie sollte ich bis zur Mittagspause auf zwei Liter kommen. Problem war nur, dass ich den halben Vormittag auf diversen Toiletten zubrachte. „Darf ich alles essen wie sonst auch?“ Ja, ja, beruhigten mich die Kollegen aus der Anzeigenabteilung. Für mich war es das erste Mal, André begab sich ein zweites Mal zu dieser Tortur, für Beatrice lediglich ein Routineakt. Aus der Redaktion wollte sonst keiner. „Lasst mich zurück, geht ohne mich“, rief ich noch, doch es half nichts.

In einer Finsterwalder Grundschule lernte ich Deutschlands Behördenapparat am eigenen Leibe kennen. Bevor hier ein Tropfen Blut fließt, bitte alle Formulare ausfüllen. Dann der Schock: meine routinierte, persönliche Assistentin Beatrice scheiterte bereits bei den Formalitäten. Zu niedriger Eisenwert, abgelehnt! Davon konnte bei mir nicht die Rede sein, hatte ich doch zum Mittag erst noch eine Puszta-Schnitte mit viel Letscho verdrückt. André und ich wurden auf die Liege verfrachtet. Man bot mir einen Ball zum Kneten an, da beugte sich die junge Krankenschwester über mich. Ein Stich, lähmende Arme, Auge um Auge, Nadel um Nadel, im Geiste der nächste Toskana-Urlaub, natürlich mit Krankenschwester.  

Ich lieferte sehr schnell die geforderten 500 ml (siehe Bild). Den nach der Prozedur gewünschten Caipirinha schlug man mir aus. Auch das für den Abend in Finsterwalde reservierte Brauhaus erwies sich als völlig sinnlos, denn Alkohol war an dem Tage tabu. Hatten mir die Kollegen aus der Anzeigenabteilung vorher irgendwie verschwiegen. Aber wir können auch ohne lustig sein. Was tut man nicht alles für einen guten Zweck? Acht Wochen darf ich jetzt nicht. Also beim DRK vorsprechen. Das kommt raus, wenn man sich von Kollegen zur ersten Blutspende in seinem Leben überreden lässt.

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Liebes Guben, auf ein Wiedersehen!

Auch für mich ist es nun nach sechs Monaten an der Zeit, der Lokalredaktion Guben “Adieu” zu sagen. Die Schreibblöcke sind zusammengepackt, der Schreibtisch ist leer geräumt und die letzten Abschieds-Muffins mit den erfahrenen Kollegen sind verspeist. Doch wie sagt man so schön, jeder Abschied ist auch ein Gewinn, denn die Erinnerungen bleiben. So schipperte ich mit einem Boot auf der Neiße, löcherte die geduldige Stadtsprecherin mit Fragen, lernte die polnischen Weihnachtsbräuche und die Herzlichkeit auf der anderen Seite der Neiße kennen. Während ich in den ersten Wochen auf Terminen ständig neuen Gesichtern begegnete, und ich dachte “Oh Gott, die Namen kann ich mir nie im Leben alle merken!”,  gibt es mittlerweile einige Gesichter, die mir wirklich fehlen werden.

Liebes malerisches Guben, ich werde dich vermissen!

       

Aber liebes Cottbus, ich freue mich auch auf zwei interessante Monate mit dir!

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