Ich begann den Tag mit Wasser. Mit viel Wasser. Irgendwie sollte ich bis zur Mittagspause auf zwei Liter kommen. Problem war nur, dass ich den halben Vormittag auf diversen Toiletten zubrachte. „Darf ich alles essen wie sonst auch?“ Ja, ja, beruhigten mich die Kollegen aus der Anzeigenabteilung. Für mich war es das erste Mal, André begab sich ein zweites Mal zu dieser Tortur, für Beatrice lediglich ein Routineakt. Aus der Redaktion wollte sonst keiner. „Lasst mich zurück, geht ohne mich“, rief ich noch, doch es half nichts.

In einer Finsterwalder Grundschule lernte ich Deutschlands Behördenapparat am eigenen Leibe kennen. Bevor hier ein Tropfen Blut fließt, bitte alle Formulare ausfüllen. Dann der Schock: meine routinierte, persönliche Assistentin Beatrice scheiterte bereits bei den Formalitäten. Zu niedriger Eisenwert, abgelehnt! Davon konnte bei mir nicht die Rede sein, hatte ich doch zum Mittag erst noch eine Puszta-Schnitte mit viel Letscho verdrückt. André und ich wurden auf die Liege verfrachtet. Man bot mir einen Ball zum Kneten an, da beugte sich die junge Krankenschwester über mich. Ein Stich, lähmende Arme, Auge um Auge, Nadel um Nadel, im Geiste der nächste Toskana-Urlaub, natürlich mit Krankenschwester.
Ich lieferte sehr schnell die geforderten 500 ml (siehe Bild). Den nach der Prozedur gewünschten Caipirinha schlug man mir aus. Auch das für den Abend in Finsterwalde reservierte Brauhaus erwies sich als völlig sinnlos, denn Alkohol war an dem Tage tabu. Hatten mir die Kollegen aus der Anzeigenabteilung vorher irgendwie verschwiegen. Aber wir können auch ohne lustig sein. Was tut man nicht alles für einen guten Zweck? Acht Wochen darf ich jetzt nicht. Also beim DRK vorsprechen. Das kommt raus, wenn man sich von Kollegen zur ersten Blutspende in seinem Leben überreden lässt.