Der letzte Brief

Eine Geschichte aus dem Spiegel der vergangenen Woche beschäftigt mich noch immer: 20 Jahre nach der Wiedervereinigung treffen sich ehemalige Klassenkameraden zum Briefe lesen. Briefe, in denen die damals 15- und 16-jährigen Schüler ihre Erwartungen an das neue Leben beschreiben sollten. Die Klassenlehrerin gab ihnen den Auftrag. Es war ihr letzter Tag in der DDR, der 2. Oktober 1990. „Ich fühle mich nicht gut, Traurigkeit, Ängstlichkeit überwiegen“, stand in einem Brief. „Aber in jedem Fall bedrückt mich die momentane Situation doch sehr, weil es mir einfach widerstrebt, mich einzugliedern und anzupassen, ohne auch nur das geringste einbringen zu können“, heißt es in einem anderem. Wiebke Hollersen, die Spiegel-Autorin, erzählt von dem Abend des Klassentreffens, von ihren eigenen Erinnerungen und füllt ihre Erzählung immer wieder mit Auszügen sich skeptisch äußernder Jugendlicher an.

Hollersens Beitrag ist für mich in mehrer Hinsicht bewegend: Die Idee des Briefeschreibens und der Auflösung 20 Jahre später. Es ist aber auch der Inhalt der Briefe, der zum Nachdenken anhält. Ich war damals 13, lebte noch bis vor kurzem in Berlin (Ost) und habe keinen Brief geschrieben – leider. Nur ein paar Erinnerungsfetzen gluckern noch ab und zu an die Oberfläche. Ein Gefühl, von dem eine Protagonisten (die jetzt am Käthe-Kollwitz-Platz in Prenzlauer Berg wohnt) in ihrem Brief sprach, schlich sich ausgerechnet dort und in der vergangenen Woche auch bei mir ein: „Das ist das normale Heimatgefühl. Das hat man einfach“, erklärten mir meine drei Kolleginnen vom Volo-Kurs. Wir stiegen gerade – vom Zoo aus kommend – aus der U-Bahn aus und waren kurz vorm Käthe-Kollwitz-Platz. Dort drehten wir einen Film für einen Vodcast.

PS: Der Film wird hier hoffentlich bald zu sehen sein – mit Michael Schulz in der Hauptrolle. Wir vier sagen nochmal Danke für die spontane Zusage: Danke.

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3 Antworten auf Der letzte Brief

  1. Anna MH sagt:

    Kannst du darüber nicht auch mal was schreiben für die LR? Finde ich sehr spannend!

  2. Michael Schulz sagt:

    Ja, auf das Ergebnis des Films ist auch euer Hauptdarsteller gespannt! Ihr dürft ihn freilich im Volo-Blog posten. Über einen YouTube-Account sollte das ja ganz einfach sein… Beste Grüße

  3. Ich war zehn zur Wendezeit. Bin noch am 18. Oktober 1989 in Berlin zum Thälmann-Pionier ernannt worden. Ich hatte keine Ängste. Für mich als Kind war das eine spannende Zeit. Ich ging in die fünfte Klasse und als Verabschiedung von der Schule (Polytechnische Oberschule) schauten wir einen Horrorfilm in der Schule-pädagogisch sehr wertvoll. Hatte danach ein Jahr lang Schiss allein in die Dusche zu gehen. Die Reise nach Berlin mit meinen Eltern in das Hertie-Kaufhaus werde ich nie vergessen. Wie meine Augen in der Spielzeugabteilung geleuchtet haben:) Kaufte ein ferrarirotes Auto mit Fernsteuerung, dass ich zu Hause über den Hof flitzen ließ bis die Batterien versagten. Es war ein Abenteuer und im Auto kann ich mich noch an Musik von den Prinzen erinnern.

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