Rotkohl versus Sprossen

“Was sind Sprossen?”. Diese Frage stellte mir heute ein 82-Jähriger Leser. Für die Frage hatte er in der Redaktion angerufen. Die Frage zeigt, dass man seinen eigenen Sprössling zwar kennt (sofern man einen hat), aber Sprossen als Nahrung nicht den Bekanntheitsgrad von Rot -und Rosenkohl haben. Was lern ich daraus: immer schön hinterfragen, ob das was man schreibt, auch jeder kennen kann und muss.

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9 Antworten auf Rotkohl versus Sprossen

  1. Hä? Ich erwarte auch von einem 82-Jährigen soviel Transferleistung, dass er das Wort “Sprossen” dekodieren kann. Sonst schreiben wir irgendwann Sätze wie: “Er trägt ein T-Shirt (ein modernes Nikki).”

  2. Kids-Cottbus sagt:

    Was der Bauer nicht kennt…
    Der 81-jährige aus Kleinsiehstenicht wäre hoch erfreut, wenn er in seinem betagten Alter noch einmal die Möglichkeit bekäme, sich eine Speisekarte aus Hamburg anzuschauen.
    Die Lausitz war einst Arbeiter- und Bauernregion. Im und nach dem Krieg waren Lebensmittel knapp und die Kartoffel stand im Mittelpunkt des kulinarischen Geschehens. Sie lieferte Energie inform von Kohlehydraten. Quark, Leinöl, Kraut, Brot, Schmalz, Butter, Zucker, Hülsenfrüchte und Graupen standen ebenso auf der Speisekarte. Das machte satt, setzte Reserven für schlechte Zeiten an und gab viel Energie für die tägliche körperlich schwere Arbeit in der Fabrik, im Braunkohlewerk oder auf dem Acker.
    Anders in Hamburg. Die Hafenstadt wurde und wird hauptsächlich von Kaufleuten und Geschäftsmännern bewohnt. Der Energiebedarf bei ihnen ist also weitaus geringer. Abgesehen von den Hafenarbeitern, die gern deftiges wie Labskaus mit Spiegelei oder Schweinshaxe ordern, ernährt sich der Geschäftsmann/die Geschäftsfrau lieber kalorienarm, um beim nächsten Geschäft mit gutem Aussehen zu punkten. Sprossen sind in Hamburg überall zu finden und werden sehr gern gegessen. Sie sind sehr reich an Vitaminen, sättigend und kalorienarm. Außerdem ist ihr Geschmack einzigartig.
    Es lag mir daran, hier zu posten, um auch darauf aufmerksam zu machen, dass es in unserer Stadt sehr viel dicke Menschen und auch Kinder gibt. Die Ernährungsgewohnheiten sind veraltet und entsprechen nicht mehr dem tatsächlich benötigten Energiebedarf. Wer den ganzen Tag im Büro vor dem Rechner oder zu Hause vor der Glotze sitzt, sollte sich vielleicht doch mal die Speisekarte aus Hamburg kommen lassen. Übrigens gibt es dort ungefragt zu jedem Gericht einen kleinen Salatteller vorweg inklusive (als Magenfüller) und meist sind auch Sprossen dabei. Eine tolle Sache, wenn man daran erinnert wird, sich gesund zu ernähren.
    Also. Bleiben Sie gesund!

  3. Es gibt Wörter, die spielen im normalen Sprachgebrauch fast nie eine Rolle und sind daher einfach unbekannter. Wenn man die Rundschau der letzten zehn Jahre durchforsten würde und schauen wie oft darin das Wort T-Shirt vorkam und wie oft das Wort Sprossen vorkam (letzten Tage ausgenommen) hätten die Sprossen wohl kaum einen Treffer. Daher nehme ich solche Fragen ernst. Das Wort Nikki finde ich übrigens auch viel schöner als T-Shirt.

  4. Dreh die Frage doch um. Erkläre ich das Wort “Sprossen” kommt sich der Großteil unserer Leser verschaukelt vor. Die Frage ist doch, was wir für Signale aussenden wollen. Nehmen wir unseren Leser ernst oder glaube ich als Schreiber, dass der Großteil meiner Leser nicht mehr genügend Transferleistung aufbringen kann, um Wörter wie “Sprosse” dekodieren zu können.

  5. Wir schreiben hier hauptsächlich für eine Generation, wobei ich mich da gar nicht ausschließen möchte, die nicht mit Sprossen als Nahrungsmittel groß geworden sind. Daher würde ich mich nicht verschaukelt vorkommen, wenn man in einem Satz mal erklärt, wofür Sprossen denn so verwendet werden. Mir fällt da immer sofort die asiatische Küche ein. Das Lübecker Restaurant war aber keine Asiaküche. Also Salatbeilage. Ich würde die Leser auch nicht in Großteile und Kleinteile einteilen. Grundsätzlich sollte jeder Leser nie überlegen müssen, was mit einem Wort gemeint sein könnte. Da so zu verpacken, dass sich trotzdem alle ernst genommen fühlen, ist dann wieder unsere Aufgabe. In Klammern wie bei deinem ersten Beispiel, wäre natürlich wirklich eine Verschaukelung.

  6. Dann machen wir aber Sendung mit der Maus (Öffentlich-rechtliche Sendung. Beliebt bei Kindern. Hauptfiguren: Elefant und Maus. Erklärt alltägliche Dinge in kurzen Beiträgen). Für den Beitrag ist es übrigens irrelevant, ob Sprossen in der Asia-Küche verwendet werden. Denn: Unter dem Text auf Seite 1 war ein Seitenverweis. Auf der Seite war ein Aufmacherbild. Auf dem Bild konnte man verschiedene Sprossenarten sehen. Ich käme mir definitiv verschaukelt vor, wenn mir der Autor nun noch mal erklärt, was man unter einer Sprosse versteht.

  7. Aber die Sendung mit der Maus ist erfolgreich-und nicht nur bei Kindern. Denn laut WDR ist der Durchschnittszuschauer der Sendung 40 Jahre alt. Und der Anblick einer Sprosse, lässt mich noch nicht erahnen, in welchen Lebensmitteln die Sprossen vorkommen. Mir ging es ja auch nicht um den Zweispalter Alex. Den habe ich nur für das Foto gewählt. Vielleicht hat der Anrufer den Sprossenbegriff ja auch im Radio gehört. Wer weiß das schon. Für mich bleibt es dabei, dass, wenn es der Platz erlaubt und wo es Sinn macht, ein erklärender Satz nie peinlich sein kann.

  8. wenn es der Platz erlaubt und wo es Sinn macht – da gebe ich dir Recht

  9. ganzeinfachwolfgang sagt:

    Bambussprossen sehen nun aber wirklich ganz anders aus. Was essen wir dann also? – Sprossen oder Keime?
    Sprossen kenne ich von früher, als die runden Querhölzer einer Holzleiter. Und das soll essbar sein. Na gut, für Wutbeißer kann ich mir soetwas ja vorstellen – aber auf einem Teller?
    Und hier haben wir es wieder – die Vielseitigkeit und “Verständlichkeit” der deutschen Sprache.

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