In Justitias Schatten

Der Angeklagte knetet seine Hände, lächelt unsicher den Zeugen an, zuckt mit den Schultern. Das Gegenüber lächelt ebenso ratlos zurück. “Was machen wir hier bloß?”, scheinen sie sich im Gerichtssaal von Weißwasser zu fragen. Auf ein Urteil von Richter Rehm jedenfalls könnten beide gut verzichten.

Vor einigen Monaten sah das noch anders aus. Da saß der eine rittlings auf dem anderen und schlug ihm rasend vor Wut das Gesicht blutig. Schließlich hatte das Opfer die Tattoos und Piercings des Angeklagten beleidigt.

Daran erinnert sich der Geschädigte jetzt gar nicht mehr – zu viel Alkohol hat schon zu viele solcher Schlägereien in seinem Gedächtnis ausgelöscht.

Seit ich für Weißwasser und Hoyerswerda ab und zu die Berichterstattung aus den Gerichten übernehme, begegnen mir auf der Anklagebank immer wieder Gestalten mit den selben traurigen Gesichtern. Der Spiegel der Gesellschaft scheint im Gerichtssaal ein besonders klares Bild wiederzugeben.

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Eine Antwort auf In Justitias Schatten

  1. “Was machen wir hier bloß?” Vielleicht fragt sich das der Richter, in ich-Form natürlich, auch gelegentlich. Ein Interview mit ihm wäre sicher interessant. Hast du schön geschrieben!

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