Tod dem Nachrichtentrichter

Die klassische Journalistenausbildung setzt insbesondere auf das Genre Nachricht. Diese soll sich wie ein Trichter aufbauen: Die neue Info im ersten Satz, dann die Quelle,  die Bedeutung nimmt mit jedem Satz ab. Das funktioniert wie ein Trichter, bei dem der Redakteur im Zweifel von hinten nach vorne wegkürzen kann.

Heute aber eine kleine Revolution: Der journalistische Nachrichtendienst Newsroom schreibt: “Beiträge, die direkt mit dem Wichtigsten beginnen, sind für Leser Rausschmeißer.” Und: “Der altbewährte Nachrichtentrichter funktioniert im Print nur noch bei Meldungen bis zu 15 Zeilen.”

Das soll die Readerscan-Studie “7 typische Rezeptionsfallen von Agenturartikeln” herausgefunden haben. Gerade weil Beiträge von Agenturen inzwischen einen Anteil von bis zu 80 Prozent auf überregionalen Seiten ausmachten (siehe LR), sei die neue Erkenntnis von großer Bedeutung. Medienforscher Carlo Imboden sagt: “Bei längeren Stücken sollte die Pointe bis zum Schluss aufbewahrt werden. Zeitungen müssen den Leser abholen, nicht überfordern.”

Master-Studis, was sagen eure Dozenten dazu?

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2 Antworten auf Tod dem Nachrichtentrichter

  1. @Anna: Also bisher wurde uns auch nur der klassisch-hi­e­r­ar­chische Aufbau nahegelegt: aktuellste Info zuerst und dann nach hinten die sieben W-Fragen abarbeiten…
    Glaube auch nicht, dass es jemanden “überfordert”, wenn seinen Lesegewohnheiten entsprochen wird. Aber wir können unsere Dozenten am Wochenende gerne mal mit der “Newsroom”-Erkenntnis konfrontieren. ;)

  2. obmann sagt:

    Typisch ist ja beim Trichter,
    – dass erstens immer Flüssiges eingefüllt wird,
    – dass zweitens der Trichter oben groß ist und nach unten immer kleiner wird,
    – dass drittens unterm Trichter ein Gefäß (Gehirn) steht, dass groß genug ist, den Inhalt des durch den Trichter Gegossenen aufzunehmen,
    – dass schließlich er eine lerntheoretische Figur ist.

    1. Wenn eine Nachricht trocken ist, geht sie nicht durch den Trichter.
    2. Wenn eine Nachricht allgemein ist, bleibt sie Plörre, egal wie viel oben reingegossen wird und durch des Trichters Spitze verfeinert ausgegossen wird.
    3. Wenn unterm Trichter kein Behälter (Gehirn) ist, nützen der schönste Inhalt und der schönste Trichter nichts: Platsch!

    Bisher wurde noch niemand gefunden, bei dem das Eintrichtern geholfen hätte.

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