Traumaberuf Journalist

Die Welt der Auslandskorrespondenten dreht sich heute schneller.

Mit einer eher unschönen Materie sind die LR-Volos auf ihrer jüngsten Kieler Präsenzphase konfrontiert worden. Gemeint ist hier nicht das Sturmtief „Xaver“. Sondern ein Thema, gegen das dieser Mediensturm wirkt wie ein Luxusproblem. Findet zumindest Thomas Görger. Der WDR-Reporter berichtet seit Jahren aus verschiedenen Katastrophengebieten der Erde. Gemeinsam mit Auslandskorrespondent Johannes von Dohnanyi und EU-Journalistin Inga Vesper gab Görger Einblicke in das Berufsbild Auslandsjournalismus.

Es waren tiefe Einblicke in eine unheilvolle Welt. Klar, befinden sich Bewohner im Krisengebiet Gaza oder auf dem Erdbeben-Archipel Philippinen im Ausnahmezustand. Weniger klar, der enorme Druck und die psychische Belastung unter der Journalisten funktionieren, ja, abliefern müssen. Gerade vor dem Hintergrund des digitalen Wandels hat sich der Beruf extrem beschleunigt. „Zu Zeiten als Peter Scholl-Latour noch aus Asien berichtete, waren die breaking news mitunter fünf Tage alt“, erklärt von Dohnanyi augenzwinkernd. Im Tagesgeschäft fehle heutzutage die Zeit, Geschehnisse ausreichend zu reflektieren, zu interpretieren – sie nicht nur oberflächlich darzustellen.

Das Feld der Berufsethik stand ebenfalls im Fokus der Abenddiskussion am Kieler Wissenschaftszentrum. Es sei als Auslandskorrespondent mitunter schwierig, nicht aus der Rolle des Beobachters in die des Akteurs zu wechseln, hieß es. Zudem sollten Betroffene nicht nur als „Opfer“, sondern vielmehr als „Überlebende“ gesehen werden. „Vor allem aber sollte man ihnen mit Respekt begegnen“, sagt Thomas Görger. Er wies auch auf ein oft unterschätztes Problem hin: das Trauma im Journalistenberuf. Die posttraumatische Belastungsstörung sei keine Spezialität nur von Auslandsreportern. Hierzulande sind Lokaljournalisten ebenso von mentalen Erkrankungen betroffen. Sei es durch grausame Bilder eines Autobahnunfalls, einen Hochwasser-Einsatz oder der Massenpanik bei der Duisburger Loveparade. Professionelle Unterstützung bekommen jene Journalisten beispielsweise vom Netzwerk Dart Centre Europe, in dem sich auch Görger engagiert.

Dass der überaus spannende und für die Gesellschaft wichtige Job des Auslandskorrespondenten trotz aller Widrigkeiten Zukunft hat, fasste Johannes von Dohnanyi abschließend in einem Satz zusammen: „Die Welt ist miteinander vernetzt – und irgendjemand wird sie erklären müssen…“

Über Bernhard Schulz

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