Zwischen Komparsenrolle, Spreewaldgurke und großen Fischen

Nun endet sie also, meine siebenmonatige Lokalzeit, anfangs in Lübben, die längste Zeit aber in Luckau. „Dort schreibst du über jede Milchkanne“, hatte ein Finsterwalder Redaktionskollege vergangenen Sommer zu mir gesagt. Als ob es in Düsterbusch anders wäre;-)! Er sollte nicht recht behalten. Man findet sie, die interessanten, auch verrückten Leute, die kleinen, aber feinen Lokalgeschichten, wenn man über die Dörfer fährt und die Kirchen verwunschener Orte aufsucht, sich abends in die kommunalpolitischen Ausschusssitzungen bewegt oder mittags ein Pläuschchen mit dem Bürgermeister oder der Landesgartenschaubeauftragten beim Bäcker führt. Meine Devise lautete: Kontakte knüpfen über dem Gartenzaun und immer das Ohr an der Masse. Netzwerkarbeit zwischen Ämtern und Stammtisch. Bei Anruf Mord. Herausgekommen sind spannende Sachen. Ich konnte über meine Komparsenrolle beim Spreewaldkrimi schreiben oder über die Ladung Spreewaldgurken, die den Verkehr lahmlegten. Ich ging auf Kranich-Safari, traf eine Falknerin und einen Berufsfischer, der soeben mit dem Wels in der Brandung den Fang seines Lebens gemacht hatte, daraufhin aber eine Anzeige an den Hals bekam. Berichtet habe ich über Barbara, die saures Wasser bekämpft, eine coole Frau auf heißen Reifen und eine Luckauer Band, die als einzige Musikergruppe Ostdeutschlands zum legendären Beatles-Festival nach Liverpool reisen durfte. Interviewt habe ich einen Fliesenleger, der inzwischen bei den Piraten seinen Anker ausgeworfen hat. Unterm Strich sind es die vielseitigen Themen, die unterschiedlich gestrickten, spannenden Typen im ländlichen Raum, das familiäre Arbeiten in einer kleinen Lokalredaktion, aber auch der stärkere und spürbare Rücklauf an Reaktionen der Bürger zu bearbeiteten Themen, die mich im letzten halben Jahr überzeugt haben. Nun geht es wieder ab ins Haupthaus. Verlagsdurchlauf und einige Mantelressorts stehen noch an. Nun denn, adios Luckau!

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