Das “große Quartett” am ersten Tag

“Manche schaffen das nicht mal in zwei Wochen, diese Herrschaften zu Gesicht zu bekommen”, kommentiert Rundschau-Korrespondent Stefan Vetter meinen geglückten ersten Presse-Besuch im Deutschen Bundestag. Jawoll, denke ich. Und morgen ist Obama in der Stadt.

Aber immer der Reihe nach: Für die nächsten zwei Wochen werde ich mich jeden Tag in den Zug setzen, bis nach Berlin Friedrichstraße fahren und mich in das Haus der Bundespressekonferenz begeben. Dort befinden sich im vierten Stock die Büros unserer Rundschau-Korrespondenten Werner Kolhoff, Stefan Vetter und Hagen Strauß. Ihnen möchte ich in den nächsten Tagen über die Schulter schauen, während sie über das Bundestags-Geschehen berichten. Die Volo-Station im Berliner Büro ist Teil unserer Ausbildung. Wie zu Beginn angedeutet – mein erster Tag ist “erfolgreich” gestartet. “Erfolgreich” in dem Sinne, dass ich, gerade erst in Berlin Mitte eingetroffen und frisch akkreditiert, gleich eine Verabredung mit Stefan Vetter vor dem Deutschen Bundestag habe. Nicht vor dem schnöden Besuchereingang, sondern auf der anderen Seite. Die für Presse-Leute und Politiker. Trotz Akkreditierung und vehementen Umstimmungsversuchen von Stefan Vetter wird mir der Zugang dort aber verweigert. “Wir haben Sicherheitsstufe 1″, sagt eine Dame. Warum? Ich hab’s ja schon erwähnt – morgen ist Noch-US-Präsident Obama zu Besuch. “Sie müssen durch den Seiteneingang.” Und der ist da, wo die Sicherheitsschleusen sind. Mh, und in wenigen Minuten treten die “großen Vier” vor die Kameras. Jetzt müssen wir uns beeilen.

Fraktionsebene im Deutschen Bundestag, 5 vor 12: Alles voll mit Fotografen, Journalisten, Kameraleuten. Und Volontären (man erkennt sich am Blick). Ich suche mir in all dem Gewusel rund um die vier (noch rednerlosen) Rednerpulte einen halbwegs guten Platz hinter Kameramann und Kameramann. Zwischen denen kann ich zumindest auf eines der Rednerpulte schielen.

Gleicher Ort, acht Minuten später: Da sind sie – die Koalitionsspitzen sind im Anmarsch durch den gläsernen Gangimg_6232. Nach kurzer Irritation hat jeder sein Pult gefunden. Und Jackpot. Das einzige Pult, das ich im Blick habe – es “gehört” der Kanzlerin.Grund der Zusammenkunft von Merkel, Seehofer, Gabriel und Steinmeier:  Sie präsentieren Letzteren als offiziellen gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten.

Und wir erfahren auch warum:

Wie es sich anscheinend selbst für einen Außenminister noch gehört, stellt sich Frank-Walter Steinmeier kurz vor:

Während er redet, werden die Fotografen und Kameraleute immer stürmischer. Auch ich räume kurzzeitig meinen Platz. Gute zwölf Minuten später ist auch Steinmeier mit seiner Ansprache durch, bedankt sich, Angela Merkel nickt ihm zu. Keine weiteren Nachfragen erwünscht. Das “große Quartett” marschiert zurück durch den gläsernen Gang und zieht sich zurück.

Morgen steht der Obama-Besuch an – aber da sind dann nur ausgewählte Journalisten dabei. Wenn ich heute schon, noch bevor der US-Präsident überhaupt angekommen ist, am Osteingang gescheitert bin, könnte das morgen echt schwierig werden.

 

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