Wenn Obama am Bürofenster vorbeifährt

Seit heute ist Werner Kolhoff zurück im Berliner Büro. Gemeinsam mit den Kollegen Stefan Vetter, Hagen Strauß und Redaktionsassistentin Martina Matz halten sie jeden Morgen um 9.45 Uhr eine  Themenbesprechung im Chef-Büro von Werner Kolhoff. Der Journalist hatte eine “verkürzte” (Berliner) Woche und traf erst heute ein, weil er für eine Reportage über Flüchtlingsretter vor Ort am Mittelmeer war. Er spricht von seinen Eindrücken, die immer skrupelloser werdenden Schlepper-Geschäfte und das große Problem mit dem Dublin-Abkommen. Denn keines der EU-Länder hält sich an die Abmachung, Italien und

Vom Berliner Büro aus hat man einen perfekten Blick auf das Bundeskanzleramt. Auf dem Tisch davor gibt's alles, was ein Hauptstadtjournalist braucht.

Vom Berliner Büro aus hat man einen perfekten Blick auf das Bundeskanzleramt. Auf dem Tisch davor gibt’s alles, was ein Hauptstadtjournalist braucht.

Griechenland 160.000 Flüchtlinge abzunehmen. Während Werner Kolhoff erzählt, kreisen zwei Hubschrauber über dem Regierungsviertel. Vom Büro aus hat man beste Aussicht auf das Bundeskanzleramt. “Gleich kommt Obama”, sagt Hagen Strauß. Die Hubschrauber kündigen den US-Präsidenten an. Aber dann kommt erst einmal eine Autokolonne aus Richtung Tegel vorgefahren. Hagen Strauß und Stefan Vetter vermuten, “das wird der Franzose sein”. Damit meinen sie Frankreichs Staatspräsidenten Francois Hollande. Denn heute erweitert sich die Beraterrunde im Bundeskanzleramt noch einmal. Neben Merkel, Obama und Hollande sind auch die italienischen und spanischen Regierungschefs sowie die britische Premier-Ministerin bei der Runde über die großen Themen dabei. Aber der US-Präsi lässt wieder auf sich warten.

Zurück zur Besprechung. Werner Kolhoff geht über zum tagesaktuellen Geschehen. Aufreger-Thema für die Herren: Der Presseumgang mit Röttgens Aussage über Merkels erneute Kanzlerkandidatur. Ist schon möglich, dass sie wieder antritt, aber das werde sie wohl selber verkünden, sind sich die Korrespondenten einig. Unmöglich, sagt Kolhoff, dass einige Medien die Aussage aufgreifen und als Fakt darstellen. Schon wieder kreisen die Hubschrauber über dem Bundeskanzleramt. Aber immer noch keine Präsidentenkolonne in Sicht.

Mein momentaner Arbeitsplatz, das Haus der Bundespressekonferenz, ist direkt an der Spree gelegen.

Mein momentaner Arbeitsplatz, das Haus der Bundespressekonferenz, ist direkt an der Spree gelegen.

Für die Korrespondenten gibt es allerdings ein noch größeres (und aktuelleres) Aufreger-Thema: Martin Schulz als möglicher SPD-Kanzlerkandidat. Von Werner Kolhoff wird es dazu einen Text geben. Der Leitartikel soll sich mit dem heutigen Sechsertreffen der Staats- und Regierungschefs befassen. Apropos. Immer noch kein Obama vor dem Bürofenster. Es ist kurz nach 10 Uhr, der Termin war für 9.45 Uhr im Bundeskanzleramt angekündigt. Mit der Themenbesprechung sind wir durch. Ich gehe an meinen Schreibtisch nebenan. Keine Minute später ruft Hagen Strauß “jetzt kommt er”. Wir stehen am Bürofenster. Es dauert eine Weile (das gleiche Spiel wie gestern) bis “The Beast” endlich “am Bürofenster vorbeifährt”. Zugegeben, aus der Entfernung erkennt man weder Obamas Mimik noch seine Gestik. Aber “The Beast” (damit ist das Präsidentenauto gemeint) wirkt auch vom vierten Stock des Berliner Büros wie “The Beast”. Und auch die Präsidentenkolonne kommt einem von hier oben so absurd wie gestern noch am vom Straßenrand aus vor. Der gesamte Trott (Sicherheitskräfte, Krankenwagen, Mitarbeiter Obamas, Bedienstete und keine Ahnung wer noch in den Autos sitzt) ist noch nicht mal am Bürofenster vorbeigefahren, da läuft auf N-TV schon der Begrüßungs-Handshake zwischen der Kanzlerin und Präsident Obama. Und ich bin wieder live dabei – vor dem Fernseher. Keine 500 Meter Luftlinie entfernt vom Geschehen.

Gleich steht die Regierungspressekonferenz im Haus an. Da werde ich vorbeischauen. Wenn die durch ist, sitzt Obama wohl schon in seiner Air Force One Richtung Peru. Bye bye POTUS. Bye bye Absperrungen. Bye bye genervte Berliner. Bye bye Scharfschützen. 

...und bye bye Polizeieinsatzkräfte! Einige von ihnen verabschieden sich hier mit einem Foto vor dem Reichstag.

…und bye bye Polizeieinsatzkräfte! Einige von ihnen verabschieden sich hier mit einem Foto vor dem Reichstag.

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